Anforderungspapier zu Weißer und Brauner Ware

Aus besondere tipps
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Textentwurf[Bearbeiten]

Dieser Text wird als Entwurf von verschiedenen Autoren erarbeitet. Er ist kein besonderer Tipp. Die Weiterverwendung des Entwurfs z.B. für eigene ähnliche Briefe etc. ist gestattet. Allerdings übernehmen wir keinerlei Verantwortung für Richtigkeit und Folgen solcher Texte.


Zur Erklärung[Bearbeiten]

In diesem Papier werden Anforderungen von sehbehinderten und blinden Menschen an sog. Weiße und Braune Ware - also Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik formuliert. Die Seite spiegelt dabei den aktuellen Arbeitsstand wider.

Einleitung[Bearbeiten]

Die Bedienung von Geräten der sog. Weißen und Braunen Ware betrifft Anwender direkt in ihrem Alltag. Barrieren bei der Bedienung einer Waschmaschine, eines Herdes oder der Stereoanlage hat unmittelbare und meist physische Auswirkungen:

  • Die Wäsche wird gar nicht oder zu heiß gewaschen.
  • Das Essen kann nicht zubereitet werden oder es entstehen Gefahren durch unbeabsichtigt eingeschaltete Kochplatten

Aus diesen und anderen Gründen ist eine unkomplizierte, sichere und gefahrlose Nutzung von Geräten aus diesen Produktbereichen essenziell für eine selbstbestimmte Lebensführung. Konnten viele Geräte früher noch durch ihre mechanische Steuerung mittels Drehschaltern etc. relativ gut von blinden und sehbehinderten Menschen bedient werden, so stellen die neuen Bedienkonzepte neue und oft hohe Barrieren dar.

In diesem Papier werden die Anforderungen von sehbehinderten und blinden Menschen an Geräte der Weißen und Braunen Ware aufgelistet. Da ein Großteil dieser Personengruppe weit über 60 Jahre alt ist, müssen die Anforderungen auch dem Alter und den Möglichkeiten dieser Personen angepasst sein.

Zu erwähnen ist außerdem, dass es weiterhin die Gruppe der taubblinden Menschen gibt, bei denen alle akustischen Feedbacks nicht greifen und diese Personen noch stärker von der Nutzung ausgeschlossen sind.

Dieses Papier verfolgt den Zwei-Sinne-ansatz, der im Kern besagt, dass eine Information, ein feedback eines Gerätes immer über zwei Sinne erfassbar sein müssen.

Anforderungen an Bedienelemente[Bearbeiten]

Elemente müssen leicht erkennbar und Unterscheidbar sein[Bearbeiten]

Alle Bedienelemente eines Gerätes müssen taktil und optisch so vom umgebenden Gehäuse und anderen Bedienelementen in unmittelbarer Umgebung abgehoben sein dass sie

  • Leicht ertastet werden können
  • Auch mit geringem Sehrest eindeutig erkannt werden
  • Bei der Betätigung das versehentliche Betätigen anderer Bedienelemente verhindert wird.

Dies gilt auch für Kochplatten und andere Einrichtungen an Geräten, die für den Betrieb von Bedeutung sind. Es muss z.B. möglich sein, einen Topf präzise auf einer bestimmten Kochplatte zu platzieren und die zugehörigen Bedienelemente ohne Mühe finden zu können, wenn der Anwender einen eingeschräkten Sehrest hat oder gar nicht sehen kann.

Erkennung von Zeiten, Werten etc.[Bearbeiten]

Alle Bedienelemente müssen so umgesetzt sein, das die unterschiedlichen Werte (Modi, Temperaturen, Programme etc.) eindeutig taktil und optisch erkannt werden können.

  • Es muss möglich sein einen bestimmten Wert ohne Augenlicht einzustellen.
  • Das einstellen von Werten muss auch mit geringem Sehrest präzise möglich sein.
  • Werte sollten taktil z.B. beim drehen eines Wahlschalters ertastbar sein.
  • Anfang und Ende einer Skala müssen taktil und optisch gut erkennbar sein. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn ein Wahlschalter mehrere Rotationen innerhalb einer Skala zurücklegen kann.

Anzeigen und Kontrollleuchten[Bearbeiten]

Die über Anzeigen und Kontrollleuchten dargebotenen Informationen über den Status eines Geräts müssen zusätzlich entweder akustisch oder taktil dargestellt werden. Das Auslesen dieser Informationen über eine app sollte möglich sein, allerdings ist dies alleine oft nicht ausreichend. Es ist wenig praktikabel, wenn ein anwender erst ein Smartphone zu Rate ziehen muss um zu erfahren, wie lange eine Wäscheladung noch braucht oder ob eine Mikrowelle die richtige Leistung anwendet.

Menüs und dialoge[Bearbeiten]

Menüs und Dialoge sollten eine akustische Bedienführung mit einer Sprachausgabe unterstützen. Ohne die Nutzung von Menüs und Dialogen können Geräte gar nicht oder nur sehr eingeschränkt verwendet werden. Eine solche Funktion kann auch anderen Anwendern helfen, die ein Gerät auch ohne optische Kontrolle bedienen möchten. Die Tassten für eine Menü- und Dialogsteuerung (Pfeiltsten, OK, Abbrechen etc.) müssen taktil leicht und eindeutig erkennbar sein und das Gerät sollte ein akustisches Feedback über den aktuellen Menüpunkt und das Beenden einer Aktion geben. Menüs und Dialoge müssen in Kontrast, Schriftgröße etc. so aufgebaut sein, dass sie auch mit einem geringen Sehrest genutzt werden können.

Die Steuerung eines Geretes durch eine App statt einer Menüführung direkt am Gerät ist möglich, sollte allerdings wie oben erwähnt an der Praxis abgewogen werden.

Anforderungen an Anleitungen[Bearbeiten]

Zugängliche Bedienungsanleitung[Bearbeiten]

Die Bedienungsanleitung, die mit einem Gerät ausgeliefert oder zum download bereitgestellt wird, muss mit einem Screenreader und mit einer Vergrößerungssoftware gut lesbar sein. In der gedruckten Ausgabe müssen Schriften verwendet werden, die auch von Menschen mit einer stärkeren Sehbehinderung gut und ohne anstregnung gelesen werden kann.

  • PDF-Dokumente sollten korrekt getagged und formatiert sein.
  • Die Angabe von Tasten muss mind. verbalgeschehen, anstatt ausschließlich ein bild der Taste zu verwenden. Diese Art der Darstellung einer Taste kann nämlich von Screenreadern und Texterkennungsprogrammen nicht erfasst werden, womit die anleitung quasi für blinde und stark sehbehinderte menschen unbrauchbar wird.
  • Anleitungen müssen leicht navigierbar sein, um schnell ein referenziertes Kapitel ansprignen zu können.

Falls die Anleitungen eine Übersicht der Bedineungselemente enthält, sollte diese auch für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich sein. Da eine Darstellung in einem elektronischen Format wie PDF etc. oft schwer lesbar ist, wäre ein Relief oder eine großdruckversion der Darstellung hier sinnvoll.

Supportinformationen etc.[Bearbeiten]

Hotlines für Support, Seriennummern die für einen Kundenservice notwendig sind. müssen entweder in Brailleschrift oder elektronisch für ein Gerät verfügbar sein. Ein Auslesen dieser Informationen über eine app ist möglich Diese anforderung bezieht sich auf alle Dokumentationen und Beschriftungen am Gerät über die Bedienungsanleitung hinaus.

Anforderungen an Apps und andere externe Schnittstellen[Bearbeiten]

  • Apps müssen die für die jeweilige Plattform (IOS, Android etc.) gültigen Zugänglichkeitsrichtlinien befolgen. Dies bedeutet insbesondere, dass Grafiken einen sinnvollen und sprechenden alternativtext haben und die Menüs und Dialoge gut mit Standardgesten navigiert werden können. Statt die Apps selbst sprechen zu lassen, sollten diese die Sprachausgabe dem jeweiligen Screenreader of dem Gerät überlassen. Dies gilt auch für die Darstellung von größeren Schriftarten. Anwender stellen bei Sprache, Kontrast und Schriftgröße hier für sie persönlich optimierte Werte ein die auch in den apps genutzt werden sollen.

Anforderungen an Inbetriebnahme[Bearbeiten]

Es muss eine Möglichkeit geben, ein Gerät mit einem geringen Sehrrest oder vollkommen blind in Betrieb zu nehmen. Hierzu gibt es folgende Einzelanforderungen:

Beschriftung von Anschlüssen etc.[Bearbeiten]

Anschlüsse an einem Gerät müssen gut lesbar (geeignet für eine stärkere Sehbehinderung) und taktil beschriftet sein. Die Verwendung von Nummern statt einer Platzraubenden Beschriftung ist möglich, wenn dem Gerät eine Großschrift und Brailleversion einer Liste mit den Nummern und den Zugehörigen Klartextnamen vorliegt.

Beschriftung von Behältern und anderen einrichtungen[Bearbeiten]

Die Anforderungen zu Anschlüssen gelten analog zu Behältern und andere Einrichtungen an einem Gerät die beschriftet sind. Falls der Platz es zulässt sollten hier Klartextnamen statt Nummern verwendet werden.

Aktivieren von Hilfsfunktionen[Bearbeiten]

Es muss möglich sein, an einem Gerät mit einem geringen Sehrest oder blind Hilfsfunktionen zu aktivieren. Die Anleitung hierzu muss dabei leicht aus der Bedienungsanleitung entnommen werden können. Optimal wäre es, wenn ein Gerät analog zur Ersteinrichtung von IOS-Geräten die Notwendigkeit einer Sprachausgabe vom Benutzer abfragt.

Anforderungspapier IFA 2017 -Korrigiert nach FIT-Sitzung[Bearbeiten]

Allgemeine Anforderungen an barrierefreie Elektrogeräte[Bearbeiten]

Die wesentliche Voraussetzung für eine allgemeine Nutzbarkeit von Haushalts- und Unterhaltungselektronik ist eine physisch leichte und verständliche Bedienung der Geräte. Für eine barrierefreie Nutzung sind behinderungsübergreifend die notwendigen Handlungsabläufe sowohl kognitiv, visuell, haptisch als auch auditiv beim Gebrauch des Geräts zu berücksichtigen . Dazu zählen, hergeleitet aus anerkannten Normen, folgende Handlungsabläufe:

  • Erkennen (eindeutiges Auffindbarkeit der Handlungsmöglichkeit);
  • Zuordnungsmöglichkeit (Verstehen der Handlungsmöglichkeiten);
  • Erreichbarkeit (physisch);
  • Bedienbarkeit (ergonomische und sensorische Fähigkeiten der nutzenden Person beachtend);
  • Abfragemöglichkeit aller Zustände des Gerätes (Monitoring).

Die Einstellungsmodi der Bedienelemente sollten zur besseren Verständlichkeit möglichst unternehmensübergreifend vereinheitlicht werden. Zur Entwicklung notwendiger Gestaltungsmerkmale empfiehlt es sich die Expertise von Menschen mit Behinderung in die Produktentwicklungsprozesse einzubinden.

Anforderungen sehbehinderter Menschen an Elektrogeräte[Bearbeiten]

Sehbehinderte Menschen orientieren sich in ihrer Umwelt trotz ihrer Einschränkung überwiegend visuell. Daraus ergeben sich primär folgende, die visuellen Merkmale verstärkende, Anforderungen an die Gestaltung von Elektrogeräten:

  • Visuelles Interface mit unterscheid- und erkennbare Bedienelementen und deren Funktion, sowie eindeutige Unterscheidbarkeit von informativen und interaktive Elemente
  • ausreichender visueller Kontrast und Blendfreiheit von Bedienelementen, Beschriftungen und Anzeigen (siehe DIN Fachbericht 124, DIN 32975,DIN 1450, www.leserlich.info);
  • ausreichende Größe von Schriften, Symbolen und Zeichen;
  • ggf. Möglichkeit der individuellen Einstellung von Kontrasten und Schriftgrößen

Anforderungen blinder und hochgradig sehbehinderter Menschen an Elektrogeräte[Bearbeiten]

Blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen benötigen für die Wahrnehmung von visuellen Informationen aus ihrer Umwelt stets die Übermittlung der Information über einen alternativen Sinn. D.h. neben der visuellen Erkennbarkeit von Bedienelementen muss auch die taktile und/oder die akustische Wahrnehmung möglich sein.

  • Zwei-Sinne-Prinzip taktil und akustisch leicht nachvollziehbare Funktionsweise des Gerätes;
  • direktes multisensorisches Feedback zu einer getätigten Einstellung (z. B. Rasterung, taktiler Abgleich (Schalterstellung), akustischer Quittungston (Ton oder Sprache));
  • Taktiles Erkunden der Bedienelemente und Betriebszustände ohne unmittelbares Auslösen einer Funktion ermöglichen
  • Überprüfbarkeit von aktuellen Einstellungen, Vorgangsstatus und Störmeldungen.
  • Eindeutigkeit des ausgehenden Signals;
  • gefahrlose Erkennbarkeit und Bedienbarkeit der einzelnen Bedien- und Funktionselemente (Oder sollte man das ganz rauslöschen, weil es eh in den CE-Merkmalen enthalten ist?);

Externe Bedienung[Bearbeiten]

Sicherheitsrelevante Bedien- und Grundfunktionen eines Gerätes sind barrierefrei bedienbar am Gerät anzubringen. Das erweiterte Funktionspaket ist idealerweise auch am Gerät barrierefrei einzustellen, aber mindestens über eine weitere externe barrierefreie Bedienungsebene zugänglich zu machen (Tablet, Fernbedienung und Internetschnittstelle). Verwendung von marktüblichen Schnittstellen, um eine Bereitstellung behinderungsspezifischer Zusatzlösungen zu ermöglichen (z.B. für hörsehbehinderte Personen).

Bedienungsanleitung/-hilfe[Bearbeiten]

Die Bedienung und Handhabung der Geräte ist für die spezifische Nutzergruppe zugänglich, verstehbar und über eine barrierefreie Bedienungsanleitung erlernbar und/oder über abrufbare oder automatische Bedienungshilfen zu ermöglichen. Gehört in die allgemeine Produktbeschreibung eines barrierefreien Dokuments. Leicht sichtbar / Weg zum Produkt und Nutzung / Inbetriebnahme / Information zur erstmaligen barrierefreien Einrichtung

Voraussetzung für den Kauf[Bearbeiten]

  • Menschen mit Behinderung benötigen vergleichende Informationen über die von ihnen nutzbare Geräte;
  • Hersteller sollten Barrierefreiheit ist als ein Bestandteil der der Produktinformation zu betrachten. So kann die Kommunikation vom Hersteller über den Handel zum Kunden gelingen.
  • Sortimentserweiterung des Einzelhandels durch das Angebot barrierefreier Geräte;
  • Gewährleistung von zielgruppengerechter Information und Beratung durch geschultes Personal in Handel und Unternehmen.