Blind ein Bild betrachten

Aus besondere tipps
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Einleitung[Bearbeiten]

Bilder sind eine der wesentlichen Dinge, die einem blinden Menschen verborgen bleiben. Angefangen von einer einfachen Skizze über Diagramme bis zu Fotografien sind alle diese Informationen nicht direkt zugänglich. Kann man überhaupt etwas mit Bildern anfangen? Das hängt im Wesentlichen vom Bild und den Fragen ab, die es beantworten soll.

Mögliche Lösungen[Bearbeiten]

Zeichenfolien[Bearbeiten]

Es gibt spezielle Zeichenfolien, auf denen man mit einem Kugelschreiber oder Schnittmusterrad zeichnen kann. Die Linien werden dabei sofort taktil erkennbar. Während ein Kugelschreiber recht grobe Linien ergibt, ist ein Schnittmusterrad zu wesentlich saubereren und feineren Linien in der Lage. Wenn blinde Menschen selbst zeichnen, dann sollten sie leere Kugelschreiber verwenden, um sich nicht mit der Farbe der Mine einzuschmieren. Als Unterlage dient eine rutschfeste Gummimatte (die ein wenig nachgeben können muss). Die Folie wird stramm mit einem Rahmen eingespannt. Für Geometrie gibt es Lineale, Winkelmesser etc. mit taktilen Markierungen.

Bei den Folien handelt es sich um die nahezu einzige Möglichkeit blind eine Zeichnung anzufertigen und sie beim Zeichnen erkennen zu können. Zum erlernen von Geometrie, Funktionsgraphen etc. in der Schule ist sie oft die beste Möglichkeit.

Schwellpapier[Bearbeiten]

Es gibt sogenanntes Schwellpapier, dass zunächst bemalt oder über kalten Druck (Tintenstrahldrucker, nicht Fotokopie oder Laserdrucker) mit einer Zeichnung oder Grafik versehen wird und anschließend in einem speziellen Gerät (Schwellkopierer, englisch "Fuser") belichtet wird. Die dunklen Teile des Bildes quellen auf und die Linien sind fühlbar. Allerdings kann man hier nur grobe Strukturen darstellen und das Papier ist sehr teuer (naja, 1 Euro pro Blatt ist schon cool für den Anwendungsfall. Der Fuser ist mit 999 Euro allerdings happig für eine Kiste mit Lampe und zwei Rollen...). Das Papier kann man auch mit einem mäßig warmen Lötkolben „bemalen“. Im Hilfsmittelhandel gibt oder zumindest gab es einen Termostift un auf diesem Papier malen zu können. Die gesamte Oberfläche des Blatts bekommt durch den Fuser eine raue, steropor artige oberfläche.

Relief im individuellen Bau[Bearbeiten]

Man kann versuchen, aus Materialien ein Relief zu erstellen um ein Bild ertasten zu können. Das ist allerdings viel Handarbeit und man muss sich auf die wesentlichen Teile des Bildes konzentrieren. Hält man eine gewisse Höhe ein, kann das Relief mittels Tiefziehverfahren Kopien in Plastikfolie bannen. Auf diese Weise wurde früher Blindenschrift vervielfältigt.

Bilder ausdrucken[Bearbeiten]

Es gibt einen speziellen Blindenschriftdrucker, der in der Lage ist fühlbare Grafiken auf stärkerem Papier auszudrucken. Der Drucker heißt Tiger. Dafür braucht man aber einiges an Wissen über die Bearbeitung eines digitalen Bildes und das Reduzieren auf die wesentlichen Inhalte. Man muss bedenken, dass:

  • Die Auflösung eine wesentliche geringere ist als bei der optischen Betrachtung
  • Nur A4 oder ggf. höchstens A3 als verwendet werden kann und damit der Platz für ein Bild begrenzt wird.
  • Beschriftungen in Blindenschrift viel Platz brauchen. Nummern an stelle von längeren Bezeichnungen machen die Sache aber auch nicht besser, weil das Nachschlagen mühsam und ineffizient ist.

Mit Hilfe der inzwischen verbreiteten 3D-Drucktechnik kann man versuchen ein 3D-Bild auszudrucken oder bei einem 2D-Bild bestimmte Bereiche durch unterschiedliche Texturen abzugrenzen. Mit etwas Mühe könnte so das zukünftige Haus oder Teile davon vorher angefasst werden. Es braucht aber auch hier Erfahrungen mit der Bildbearbeitung beziehungsweise CAD-Technik und der 3D-Technik. Außerdem sollte man bedenken, das viele optische Darstellungen wie schräge Blickwinkel, Größenänderungen relativ zur Entfernung etc. blinden Menschen oft nicht geläufig sind. Gerade geburtsblinde Menschen haben diese Gesetzmäßigkeiten nicht durch den Alltag erlernt.

Es ist inzwischen auch möglich, ein Objekt vielmals von allen Seiten zu fotografieren und das Bild digital zu einer 3D-Oberfläche zusammen setzen zu lassen, die dann ggf. miniaturisiert auf einem 3D-Drucker ausgegeben werden kann.

Akustische Bilddarstellung[Bearbeiten]

Es gibt ein Programm namens The Voice, das ein digitales Bild sonifiziert - also in akustische Signale umwandelt. Was erstmal recht seltsam und kryptisch klingt, basiert auf der These, dass das Gehirn in der Lage ist, die Daten zu dekodieren und zu einem Bild zusammenzusetzen, wenn man es hinreichend trainiert. Die Anwendung ist vor allem für Späterblindete hilfreich, weil bei ihnen eine optische Vorstellung vorherrscht, die sich andere mühsam erarbeiten müssten. Die Anwendung und viele Informationen gibt es unter http://www.seeingwithsound.com Inzwischen gibt es uz.B. für das IPhone andere ähnliche Anwendungen.

Einige dieser Anwendungen halten hingegen nicht, was sie versprechen. Hierzu gehört die App Foto Oto. Die Sounds, die Bilder ergeben klingen zwar ganz nett, aber es gibt keine Erklärung wie aus einem Bild die Töne synthetisiert werden.

Bilderkennung mittels Rechner[Bearbeiten]

Es gibt einige Apps, die ein Bild "erklären" können. AIPoly vision ist eine der bekanntesten. Die Erkennung ist bei vielen dieser Anwendungen erstaunlich gut und gibt einem zumindest eine grobe Vorstellung. Das soziale Netzwerk Facebook stattet anscheinend alle Bilder mit erklärenden Alternativtexten aus. Damit bekommt man ohne eigenes zu tun oft einen Eindruck von den Bildern, die andere Freunde posten.

Zugängliche SVG-Grafiken[Bearbeiten]

Das Grafikformat SVG kann mit sog. ARIA-Annotationen angereichert werden. Dadurch kann man auf einem Touchdisplay mit einem Finger über ein solches Bild fahren und bekommt den Teil unter dem Finger erklärt. Damit weiß man zumindest welche Teile wo ungefähr im Bild liegen, aber wenig über deren Umrisse. Die Annotationen sind ein W3C-Standard. Browser wie Microsoft Edge, Firefox scheinen ihn noch nicht gut zu unterstützen, denn hier bleibt das aha-Erlebnis aus. Bei einem IPhone oder IPad hingegen bekommt man einen guten Eindruck vom Bild. Hier ist der Link zum Standard und Beispielen: https://www.w3.org/TR/2000/NOTE-SVG-access-20000807/ Hier gibt es ein Git-Repository mit Beispielen: https://github.com/SVG-access-W3CG/use-case-examples/blob/gh-pages/composed-tree.svg

Veraltete Systeme und Prototypen[Bearbeiten]

Es gab mal ein Gerät namens Optakon aus der Zeit weit vor Vorlesesystemen. Eine Kamera wandelt das Bild in eine Matrix aus vibrierenden Stiften in einem Tastfeld um. Damit konnte man nicht nur das Telefonbuch lesen (zumindest gab es einige, die das wirklich konnten), sondern man konnte auch Zeichnungen erfassen. Natürlich war das recht mühsam und anstrengend - aber möglich.

Es gibt einige Prototypen einer sog. Stiftplatte. Es handelt sich dabei um eine Art Brailledisplay im A4-Format mit equidistanten Stiften. Mit Hilfe eines speziellen Screenreaders für das Gerät kann man Diagramme auf dem Gerät darstellen. Die Geräte sind derzeit nur an einigen bildungseinrichtungen verfügbar und sehr teuer.