Blindenfrühförderung

Aus besondere tipps
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Allgemeines[Bearbeiten]

Die Blindenfrühförderung wird in https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChf%C3%B6rderung und dort im Abschnitt für sinnesbeeinträchtigte Kinder behandelt. Sie ist gerade für Eltern eine große Hilfe, bei denen wenig oder keine Erfahrung mit Blindheit oder Sehbehinderung vorliegt. In jedem Fall sollte man, analog zu anderen Therapien, die Leistungen der Frühförderung vor allem als Impulsgeber betrachten - die Hauptarbeit wird im Endeffekt immer bei den Eltern selbst verbleiben, entsprechend sollten Eltern im Interesse der Kinder auf engmaschige Information bestehen.

Ein wesentlicher Inhalt dieser Frühförderung sollte darin liegen eine grundlegende Orientierung bzw. Techniken zur Orientierung zu vermitteln. Z.B. das es sich an Bodenbeschaffenheit, Geräuschen etc. leicht in der wohnung orientieren kann. Darüber hinaus spielen auch Techniken zum auffinden von Gegenständen und Gefahreneinschätzung eine rolle. Letzteres ist essenziell, weil ein blindes Kind quasi ständig seine Spielsachen suchen muss. Frust hierbei kann das Interesse an anderen Spielen etc. empfindlich beeinträchtigen. Zumindest ist dies meine persönliche Einschätzung als geburtsblinder Mensch.

Eltern, die keine Erfahrung mit Blindheit oder Sehbehinderung haben, sollten sich folgende Dinge bewusst machen:

  • Ohne Sehvermögen verliert ein Mensch einen Großteil der animation von außen. Ihr Kind wird nicht auf Bilder zeigen und hierzu eine Erklärung einfordern. Es wird sich über den Mangel an Input sicher nicht beschweren und damit besteht leicht die Gefahr einer Art Isolation.
  • Vieles, was Ihnen offensichtlich erscheint können blinde Menschen erst durch Erfahrungen kompensieren. eine Stufe, bei der selbt kleine Kinder sofort erkennen, wie flach sie ist, kann ein blindes Kind sehr ängstigen - es braucht Wege diese sicher erforschen zu können.
  • Kinder mit einer Sehbehinderung müssen mühsam lernen die Umgebung einzuschätzen und werden daher leicht über Stufen und Gegenstände stolpern oder diese nur unzureichend erkennen können. Der Punkt ist, dass sie eine andere optische Wahrnehmung haben und die Welt aus anderen augen sehen. Während man ein blindes Kind auf bestimmte Techniken zum Erforschen von Hindernissen trainieren kann, sind sehbehinderte Kinder oft abhängig von der konkreten Situation und der Ausleuchtung - sie können sich nicht so leicht darauf einschißen und es spielen deutlich mehr Faktoren eine Rolle.
  • Unbekannte Umgebungen bedeuten eine deutlich geringere Selbständigkeit und mehr Stress, weil die erlernten Erkenntnisse über Hindernisse, Geräusche etc. aus einer gewohnten Umgebung hier nutzlos sind. Das gilt um so mehr, je nach dem, wie schlechtt die Kinder sehen können.
  • Versuchen Sie im gewohnten Umfeld Anreize durch Geräusche, Gerüche etc. zu schaffen, um die neugier des Kindes zu befeuern. Besser es macht negative Erfahrungen wie Beulen etc. in einem Umfeld das sie unter Kontrolle haben, als später in unbekannten Räumen. Gerade negative oder Grenzerfahrungen sind essenziell für die Entwicklung sehbehindertter und blinder Kinder.

Man muss sich bewusst machen, dass Frühförderer eine sonderpädagogische Ausbildung haben und damit die Situation eines blinden oder sehbehinderten Kindes nur aus der theoretischen Sicht betrachten können.

Eigentlich sind die lokalen Blindenvereine (In Niedersachsen Regionalvereine genannt) für die Beratung und den Kontakt zu entsprechenden Stellen zuständig. Einige davon haben zumindest früher mal Frühförderung mit eigenen Sozialpädagogen durchgeführt.

Niedersachsen[Bearbeiten]

In Niedersachsen findet Blinden- bzw. Sehfrühförderung für gesetzlich blinde Kinder vorwiegend durch das Landesbildungszentrum für Blinde vom Landessozialamt statt. Über den Zugang entscheidet das LBZB selbst nach eigener Begutachtung. Das LBZB hat eine Abteilung „Frühförderung - Entwicklungsbegleitung - Beratung“ die Sonderpädagogen in ganz Niedersachsen zu den Kindern nach Hause und in die Einrichtungen schickt bis zum Schulbeginn. Ab Schulbeginn sind, sofern vorhanden, die „Mobilen Dienste“ der Schulverwaltung für die blindenpädagogische Förderung an öffentlichen Schulen zuständig. Die Frühförderung des LBZB findet erfahrungsgemäß ca. 2 bis 6 Mal im Jahr, theoretisch sogar alle 2 Wochen, statt.

Theoretisch ist auch eine Frühförderung im Sinne von Orientierung und Mobilität oder Lebenspraktischen Fertigkeiten über die Krankenkassen möglich. Meines Wissens gibt es aber nur im Raum Hannover entsprechende selbstständige Rehabilitationspädagogen. Anmerkung Heiko: Selbständige O & M-Trainer sind auch in anderen Städten verfügbar, aber ich weiß nicht, ob sie mit Kindern vor Schulbeginn arbeiten können/wollen.

Berlin[Bearbeiten]

Hier wird Frühförderung für blinde Kinder vorwiegend im Sinne von Orientierung und Mobilität und LPF über die SPZ gesteuert und von den Krankenkassen bezahlt. Dafür muss das Kind je nach Wohnort bei dem SPZ „Zentrum für Kindesentwicklung“ oder bei dem SPZ Wedding in regelmäßiger Behandlung sein und wird dann von den dort angestellten Sozial- und Rehapädagogen ambulant zuhause oder (ab Schulalter) im SPZ behandelt.

Ob es selbstständige Blindenfrühförderer gibt, ist mir nicht bekannt.

Daneben bieten die zwei Sonderschulen Zeune- und Kniese-Schule blindenspezifische sonderpädagogische Frühförderung (Kostenträger vmtl. Landessozialamt?) in der Kita an (also nicht über die Krankenkasse und nicht zuhause). Die Ressourcen sollen jedoch sehr knapp sein, so dass nicht jedes blinde Kind Zugang hat.

Weitere Unterstützung und Hinweise[Bearbeiten]

Die Blindenfrühförderung umfasst offenbar nicht das Erlernen der Blindenschrift. Auch wenn dies offiziell erst in der Schule vermittelt wird, wäre ein Erlangen der Blindenschrift und evtl. auch Fertigkeiten beim Umgang mit einem Computer vor der Schule sehr hilfreich! Kinder ohne Seheinschränkung können durch das große Angebot an Medien diese Fertigkeiten oft schon vor der Schule ausbilden, sodass für die blinden Kinder gerade bei einer inklusiven Beschulung hier ein Wettbewerbsnachteil entstehen kann. Und da auch in der Schule große Personalengpässe herrschen und nicht alle Blindenpädagogen Punktschrift vermitteln, sollten Eltern sich nicht auf die Schule vertrösten lassen, wenn das Kind ein Lerninteresse zeigt. Auch hier sind die lokalen Blindenvereine Ansprechpartner für Unterricht in Blindenschrift und Familien können selbst aktiv werden. Viele Tipps gibt es z.B. bei anderes sehen e.V..