Hindernisse beim Spielen für blinde Kinder

Aus besondere tipps
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Einleitung[Bearbeiten]

Für blinde Kinder kann das Spielen manchmal sehr frustrierend sein. Beispielsweise dann, wenn man sein Spielzeug wieder und wieder suchen muss. Andere Hindernisse sind die Unzugänglichkeit von vielen Spielsachen. Zeigt z.B. eine Registrierkasse die Beträge hinter einer Scheibe an, dann kann man keinen Unterschied ertasten und damit fällt oft ein großer Teil des Spielspaßes weg. Recht unzugänglich sind auch Lerncomputer und anderes Spielzeug, das auf Displays und optische Darstellungen setzt. Dazu gehören auch Spielkonsolen etc.

Diese Seite will versuchen, einige Fallstricke aufzuzeigen, damit die Auswahl von Spielsachen und Umgebung so frustfrei wie möglich gestaltet werden kann. Pädagogen mögen einwenden, dass Frust ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses sei, aber das gilt nur dann, wenn sich der Frust durch Lernen oder verändern des Verhaltens vermeiden ließe. Frust bleibt ohnehin reichlich über.

Die Probleme sind natürlich vom Restsehen abhängig und hier werden Maximalprobleme beschrieben. Falls sie vom Restsehen abgefangen werden, um so besser!

Ball wo bist du?[Bearbeiten]

Alle Spielsachen, die darauf basieren, dass man sie wegrollt oder wirft, müssen anschließend wiedergefunden werden. Dass ist für sehende Kinder kein Problem und die Hand-Auge-Koordination wird gut geschult, aber wie soll ein blindes Kind wissen, wo der Ball hingerollt ist? Das gilt auch für alle anderen Arten von Wegwerfspielzeug:

  • Frisbees
  • Papierflieger
  • Luftballons
  • Autos
  • Murmeln
  • Spielsachen, die man zwar nicht wegwirft, sich aber durch ihren Betrieb bewegen und aufhören Geräusche zu machen.
  • ...

Was kann man dagegen tun? Nicht damit spielen? Zwar eine Lösung, aber das schränkt die Auswahl schon sehr stark ein und Bewegung ist gerade für blinde Kinder sehr wichtig.

  • Bälle können mit Schellen befüllt werden bzw. entspr. Bälle im Hilfsmittelhandel erworben werden. Oft reicht es aus, ein paar Metallringe in den Ball einzubringen. Nachteil: Sobald der Ball ruht, ist er unsichtbar für das Kind! Inzwischen gibt es diese Bälle auch erschwinglich bei Amazon (Stichwort Blindenfusball in der Suche).
  • Pieper in Ball etc. Man kann versuchen, Bälle mit einem eingebauten Summer o.ä. im Hilfsmittelhandel zu finden. Das selbstpräparieren wird beim Bällen mit Luftblase sicher kompliziert, weil sie abgedichtet werden müssen und gleichzeitig eine Möglichkeit zum Aufladen gegeben sein muss. Die auf den Ball wirkenden Kräfte sind nicht zu unterschätzen. Man könnte auch versuchen einen Schlüsselpieper am Spielzeug zu befestigen, aber das verändert die roll- und Flugeigenschaften oft erheblich. Eine Lösung könnte das in Tipp Zu Orten, Gegenständen oder Personen zurückfinden beschriebene Gerät sein. Der sender ist klein, leicht und es könnten bis zu vier Spielsachen damit geortet werden.
  • An die Leine: Man kann die Spielsachen an einem Band befestigen. Dass andere Ende kann am Kind oder an einem Haken in der Wand befestigt werden. Das setzt natürlich voraus, dass genügend Leine für den Spielbetrieb vorhanden ist und man sich nicht dauernd verheddert.
  • Einrichten eines überschaubaren Raumes zum Spielen. Dieser könnte z.B. auch leicht abschüssig sein, damit der Ball immer an eine bestimmte Stelle zurückkehrt.
  • Einen Familienhund, der die Spielsachen apportiert.
  • Wenn die Spielsachen groß genug sind, kann man sie evtl. mit einem Ultraschallgerät wie K-Sonar oder Miniguide orten.
  • Flummies bzw. Bälle mit härterer Oberfläche sind auf harten Böden wie Fliesen etc. leichter akustisch zu orten - man kann sie länger rollen hören. Evtl. läßt sich der Effekt verstärken, wenn man eine Art Resonanzkörper unter dem Boden verwendet - ähnlich wie beim sog. "kleinen Raum" der in der Frühförderung eingesetzt wird.
  • Ein längerer Stock kann die Suchzeit verkürzen, weil man mit ihm schneller einen größeren Bereich absuchen kann. In jedem Fall sollte das Kind eine gute Orientierung haben/erlernen und das systematische Suchen lernen.

Die Hand als Tsunami[Bearbeiten]

Einige Spielsachen sind so filigran und leicht, dass deren Platzierung ohne Augen sehr frustrierend sein kann. Sie stürzen leicht um, sobald man sie berührt. Das gilt z.B. für kleine Schleichtiere oder anderes Deko-Material. Was tun?

  • Falls möglich größere und schwerere Figuren etc. verwenden, die nicht so leicht umfallen.
  • Unter den Figuren ein Metallplättchen befestigen und die Anordnung auf einer Magnetplatte vornehmen.
  • Ein Brett mit abgeteilten Kästchen verwenden, sodass die Figuren tiefer stehen und nicht so leicht umgekippt werden können und dann wenigstens in ihrer Parzelle verbleiben. Allerdings dürfen die Trennwände nicht so hoch sein, dass nur noch Zipfel der Gegenstände herausguckt, da sie dadurch schwerer zu unterscheiden werden. Die eigentliche Idee hinter der Platzierung von Figuren etc. zu einem Gesamtbild ist mit dieser Lösung auch futsch.
  • Klett unter die Figuren kleben und auf einer entspr. Stoffunterlage platzieren.
  • Verwenden von Legofiguren oder Aufkleben des Spielmaterials auf kleine Legoplättchen, die dann auf einer großen Platte leicht und fest fixiert werden können.

Ich sehe nicht so aus, wie du mich fühlst[Bearbeiten]

Der Unterschied zwischen der taktilen Struktur eines Gegenstandes ist oft stark abweichend von dessen optischer Darstellung. Ein Kind erkennt recht schnell optisch Hasen in verschiedenen Körperhaltungen und in verschiedenen Proportionen. Das gelingt taktil meist nicht und selbst erwachsene blinde Menschen können Gegenstände oft nur schwer erkennen. Das liegt an mehreren Faktoren:

  • Ein Kind sieht ein Vielfaches mehr an Bildern, als es Gegenstände anfasst. Wie soll man eine Straßenlaterne oder die Hochspannungsleitung anfassen?
  • Es fehlt der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Ausprägungen eines Gegenstands und der Klassifizierung. Das heißt, dass ein blindes Kind vielleicht einen stehenden Hasen erkennt, aber nicht, wenn er schlafend dargestellt ist, oder andere Gegenstände wie Gras im Objekt eingearbeitet sind.
  • Viele Gegenstände werden unzureichend oder falsch dargestellt. Ein blindes Kind könnte meinen, dass die richtige Eisenbahn wie die Holzeisenbahn auf einer Platte mit Rillen fährt. Hier wird man die verschiedenen Ausprägungen und Falschdarstellungen erklären und mit naturgetreuen Modellen ergänzen müssen.

Aber wieso ist das ein Hindernis beim Spielen? Wenn sich Teile des Spielzeugs nicht hinreichend taktil unterscheiden lassen, fällt oft ein zentrales Element des Spiels weg. Wenn z.B. eine Reihe von Tieren als Bildchen auf ähnlichen Klötzchen angebracht sind, dann sind es für das blinde Kind nur Klötzchen und keine Tiere. Was tun?

  • Man sollte versuchen, möglichst viele Gegenstände anfassen zu lassen. Und zwar nicht geführt (viele Menschen führen die Hand des Kindes beim Erkunden eines Gegenstands oder Szenarios), sondern eigenständig erkunden. Nur so kann ein Gefühl für Größen, Anordnungen etc. überhaupt entstehen.
  • Falls möglich, sollte das Kind auch solche Gegenstände erkunden und begreifen, die normalerweise zu groß oder gefährlich sind. Damit ist das Erklimmen eines Dachs, das erklettern eines Baumes etc. gemeint. Die Erfahrungen und Empfindungen, die so erlebt werden können, sind kaum anderweitig zu erreichen.
  • Verwenden klarer und eindeutig dargestellter Modelle mit einer überschaubaren Anzahl an Details. Figuren und Gegenstände von Lego, Playmobil und Fischertechnik haben sich hier gut bewährt. Sie können i.d.r. befestigt und damit gut erkundet werden.
  • Halten Sie nach Möglichkeit einen ähnlichen Maßstab in den Spielsachen ein. Ein Kind könnte sonst meinen, dass ein Kirchturm so hoch wie ein Auto oder umgekehrt wäre, nur weil die Gegenstände durch den unterschiedlichen Maßstab gleich groß sind.
  • Nutzen Sie die Möglichkeiten des 3D-Drucks, um Gegenstände darzustellen, die sich anderweitig nicht erleben lassen.
  • Verwenden Sie Knete, Gips oder andere Materialien, um einen plastischen Eindruck von der Umwelt zu vermitteln.
  • Dieses Gebiet nicht überbewerten. Das Erkennen von Gegenständen wird immer problematisch bleiben und man sollte sich auf die praktisch relevanten konzentrieren. Es ist nicht hilfreich, wenn das Kind verschiedene Typen von Kirchen erkennen kann, denn später wird man sie nie so erleben. Im Spiel sollte das Kind die grundlegenden Eigenschaften von Gegenständen kennen lernen, mit denen es später im Alltag in Berührung kommt, oder für die sich das Kind interessiert. Vermeiden Sie außerdem Exkursionen in optische Darstellungen (wie malt man ein Haus schräg von vorne?). Solche Betrachtungen setzen viel optische Erfahrung voraus und falls das Restsehen nicht zum Erkennen von Gegenständen taugt, kann dies evtl. nur wenig praktischen Nutzen haben.

Ein Spielfeld - ich fühle nur Pappe![Bearbeiten]

Viele Spiele sind ohne Adaption nicht für blinde Kinder nutzbar. Die Felder für die Spielfiguren können nicht ertastet werden, die Figuren verrutschen sofort und Bilder sind nicht erkennbar. Was tun?

  • Bekannte Spiele gibt es adaptiert im Hilfsmittelhandel
  • Man kann versuchen die Spiele anzupassen. Mit Materialien und Techniken beschäftigen sich eigene Webseiten. Details dazu gibt es unter Spiele für blinde Menschen.
  • Spielen mit Unterstützung: Oft reicht es aus, dass z.B. das Setzen von Figuren von einem anderen Kind oder einem Erwachsenen übernommen wird. Der Spielspaß kommt oft dabei nicht zu kurz und es ist eine einfache und praktikable Lösung, die gleichzeitig das soziale Miteinander fördert.
  • Manchmal ist es hilfreich für das Kind ein eigenes Spielbrett zu konstruieren. Z.B. kann man beim Schiffe versenken statt wie üblich die Treffer an einer senkrechten Wand in einem Holzbrett mit Löchern markieren. (In diesem Fall war es die elektronische Variante von MB, die uns hierzu bewegte).
  • Es gibt Spielwürfel und Kartenblätter in Hilfsmittelhandel.
  • Versuchen Sie selbst das Spiel mit geschlossenen oder besser mit verbundenen Augen zu spielen, um einen Eindruck zu bekommen.

Nicht getroffen, Schnaps gesoffen[Bearbeiten]

Dieser wohl allen bekannte Spruch trifft besonders auf blinde Kinder zu. Wie soll man einen Ball an die Zielscheibe werfen, oder Darts werfen? Das gilt eigentlich für alle Spiele, bei denen es auf das Zielen ankommt.

Was tun?

  • Falls möglich kann man eine Geräuschquelle hinter dem Ziel platzieren. Das Zielen nach Gehör klappt mit etwas Übung ganz passabel.
  • Abtasten und Erkunden des Spielfeldes inkl. des Ziels vor dem Spiel. Das gibt wenigstens Minimalchancen ins Ziel zu treffen.
  • Ansage der Abweichungen (wo und wie viel) damit das Kind seinen nächsten Wurf anpassen kann.

Letztlich ist man bei diesen Spielen wohl nie konkurrenzfähig, aber evtl. kann man hier doch den Spielspaß einigermaßen erhalten.

Ball- und Mannschaftsspiele[Bearbeiten]

Spiele wie Fuß-, Völkerball, Tischtennis oder Billard sind schlicht unzugänglich. Beim Billard könnte man vielleicht noch die Kugeln mittels Magnetplatte elektrisch auf dem Spielfeld an Ort und Stelle fixieren, damit die Positionen ertastet werden können, aber letztlich ist man nie wirklich konkurrenzfähig. Alternativen, die blind gut möglich sind z.B. Tischball aka. Showdown, haben nicht den gleichen Spaßfaktor für die sehenden Mitspieler.

Was tun? Lassen Sie das Kind wenn möglich in einer Blindensportgruppe Torball, Goalball oder Tischball aka. Showdown spielen. Das ist zwar nicht inklusiv, aber wenigstens Mannschaftssport und das Kind ist einmal nicht Außenseiter oder Exot.

Fang mich doch - wenn du kannst[Bearbeiten]

Spiele, bei denen es darum geht, vor einem anderen wegzulaufen, oder jemanden zu fangen, sind nur schwer für ein blindes Kind nutzbar. Wenn überhaupt, dann muss es in einem gewohnten Umfeld stattfinden, damit eine halbwegs sichere Orientierung möglich ist. Wirklich konkurrenzfähig ist man aber nie, weil man sich blind nie so schnell und sicher bewegen kann. Außerdem müsste man zum Fangen ein Glöckchen o.ä. am zu fangenden Kind befestigen, damit das Ziel "sichtbar" bleibt.

Rollen und Skaten[Bearbeiten]

Die Verwendung von Rollschuhen, Schlittschuhen, Skateboards etc. setzt i.d.R. eine Begleitperson voraus. In einem gewohnten Umfeld und bei einer guten Orientierung des Kindes kann es aber auch alleine damit spielen. Die Gefahr liegt hier in Stößen an Mauern, Stufen oder das Abstürzen über Treppen etc.

Was tun?

  • Falls möglich sollten sie eine sichere Umgebung z.B. gerade Fläche mit gut hörbaren Mauern schaffen oder suchen.
  • Sorgen sie für gute Schutzausrüstung
  • Auch hier ist die Erfahrung und die Bewegung mehr Wert als eine evtl. eingehandelte Verletzung.

Auf dem Spielplatz[Bearbeiten]

Eigentlich gibt es auf Spielplätzen für blinde Kinder eher Möglichkeiten als Hindernisse. Durch die feststehenden Geräte ist eine Orientierung mit etwas Übung gut möglich. Schaukeln, rutschen, Klettergerüste und Wippen können eigentlich genauso benutzt werden, wie von anderen Kindern. Dabei kommt es darauf an, dass das Kind einen guten Überblick über die Anordnung des Spielplatzes selbst und die Form und Struktur der Geräte im einzelnen kennt. Es muss z.B. die Schaukeln sicher umgehen, um nicht von schaukelnden Kindern getroffen zu werden.

Hinderlich sind z.B. Drehteller, auf denen man auf einer schiefen Ebene laufen muss, weil man keine Orientierung darauf hat und sich bewegen muss.

Was können sie tun?

  • Wählen Sie einen Spielplatz mit sicherem Sandboden, um evtl. Stürze möglichst gut abzufangen.
  • Erkunden Sie den Spielplatz mit dem Kind in Ruhe und möglichst ohne großen Betrieb.
  • Es kann sinnvoll sein, dass das Kind sich mit einem Langstock auf dem Spielplatz bewegt. Damit kann es die Geräte aus größerer Entfernung erkennen, Stöße vermeiden und andere Kinder können erkennen, dass das Kind blind ist und ggf. mehr Acht geben.
  • Seien sie nicht zu ängstlich. Andere Kinder stürzen auch beim Toben von den Geräten und die Erfahrungen, die Kinder auf Spielplätzen machen, sind sehr wichtig. Immerhin gibt es auch Spielplätze mit normaler Ausstattung in Blindenschulen etc. Mir ist nicht bekannt, dass es dort signifikant mehr Verletzungen gibt.
  • Es ist eine gute Gelegenheit für Eltern und Kind die auffällige Stellung im späteren Leben zu üben. Blinde Menschen sind durch den Stock immer etwas auffälliger und es wäre gut, wenn sich das Kind möglichst früh mit einem Stock als Hilfs- und Schutzmittel identifiziert.

Weitere Hinweise zur Umweltgestaltung: Umweltgestaltung Sehen.

Experimentierkästen[Bearbeiten]

Viele Kästen mit Experimenten aus dem naturwissenschaftlichen Bereich sei es Elektronik, Physik oder Chemie dürften nur sehr eingeschränkt nutzbar sein. Das beginnt bei der Anleitung und auch für viele der Teile im Kasten selbst. Widerstände sind nur farblich markiert und Chemikalien möglicherweise nicht taktil erkennbar. Wenn überhaupt, muss das Experimentieren hier unter ständiger Aufsicht bzw. Begleitung stattfinden. PC-Programme, mit denen sich solche Experimente wenigstens simulieren lassen, sind ebenfalls unzugänglich (und die grafische Darstellung des Ablaufs und Ergebnisses werden es wohl auch nie recht sein können). ==Gut nutzbares Spielzeug=) Welche Spielsachen versprechen ungehinderten Spielspaß?

  • Selbstfahrende Spielzeugautos. Sie machen immer irgendwelche Geräusche und was Geräusche macht, läßt sich gut orten.
  • Fernsteuerungsautos: Hier gilt das gleiche wie bei selbstfahrenden Autos.
  • Lego: Selbst komplexe Getriebe etc. lassen sich in Lego robust und gut tastbar bauen. Es ist zwar nicht möglich, eine Anleitung wie auf der Packung zu befolgen, aber mit Unterstützung beim Aufbau oder gar einer Übersetzung der Anleitung in

Blindenschrift oder Akustik und einer evtl. notwendigen Vorsortierung der Steine bleibt genug Spielspaß und Lerneffekt übrig. Überhaupt scheint Lego wie auch Fischertechnik gut geeignet um Mechanismen wie Getriebe, Förderbänder etc. zu vermitteln, ohne das alles gleich zusammenbricht.